Home arrow Themenarchiv arrow Hommage à l'orgue et à son maître

218*101
Hommage à l'orgue et à son maître Drucken
Artikelinhalt
Hommage à l'orgue et à son maître
2. eine Welt der Intelligenz
3. eine Welt der Brüderlichkeit
4. Für einen Musiker bedeutet sein Instrument...
Vita Thomas Bransdörfer

 

 

 

Hommage à l'orgue et à son maître 
(Hommage der Orgel und ihrem Meister)

Zuerst eine Warnung (man soll sich doch verteidigen!): Ich bin kein Kenner der Musik. Meine wunderbare Verbindung zu ihr ist eine Art Einbahnstraße, auf welcher Emotionen und erhabene Träume von ihr in Richtung Seele sausen. Verstand und Fachkenntnisse haben nichts verloren bei meinen Treffen mit der Musik. Demnach fehlt es gänzlich an Kompetenz, um über ihr Universum schreiben zu dürfen. Trotzdem wage ich "das Sakrileg" und schreibe ein paar Gedanken nieder:
Der Anlass, der mir Mut gegeben hat, war eine aufregende Besichtigung der Orgel in der Auferstehungskirche zu Düsseldorf, begleitet von Thorsten Göbel, Kantor der Gemeinde. Ich war in der Orgel - ja, ja! "in der…" ist vollkommen richtig -, in ihrem Innenraum- und Leben. Gewiss, als gutbürgerlicher Sterblicher habe ich wiederholte Male eine Orgel "gesehen" und gehört. Ich konnte aber nicht ahnen, was hinter der edlen Fassade, auch Prospekt genannt, und auch hinter der ganzen Welt ihrer Klänge steckt. Ich wusste nichts von der immensen Liebe und der Intelligenz, mit welcher tausende von Elementen im Namen der Harmonie in einer Orgel verbrüdert sind. Siehe: Spontan habe ich im vorigen Satz gleich drei kapitale Begriffe eingebaut: Liebe, Intelligenz und verbrüdert sein/Brüderlichkeit. Ich nenne sie "kapitale" denn meiner Überzeugung nach, das Wesen der Orgel selbst gründet auf diesen: Liebe, Intelligenz und Brüderlichkeit.
Die Innenwelt der Orgel ist eine Welt der Liebe. Von Liebe zeugt das handwerkliche Können, ohne das keine Orgel auf dieser Welt geboren wäre. Hand Werk ist Hand legen auf die Materie, um sie entsprechend den menschlichen Wünschen zu gestalten. Hand Werk ist ein Werken mit demiurgisches Parfüm, weil des Menschen Hand und Wille neue Identität der Materie verleiht. Die werkelnde Hand vollstreckt eine Genese der Materie, vollstreckt ihren verblüffenden Werdegang von dem Status der Natur zu dem, den man Kultur nennt. Der Handwerker prägt seinem Objekt etwas von sich selbst: Gedanke, Wille, Wünsche und Emotionen auch. Geburtsverursacher- und Helfer, des Handwerkers Hand benötigt außer Können auch Liebe. Liebe für ihren Zweck und auch für das gewählte Element, dass sie umzuwandeln will. Handwerk ohne Liebe und Zuwendung ist kein Handwerk - es kann auch von Maschinen gemacht werden. Da es eine Orgel ohne Handwerk nicht gibt, ist man berechtigt zu behaupten, dass die Innenwelt der Orgel unter dem Stern der Liebe entstanden ist.
Damit ist die Verbindung zwischen dem Prinzip der Liebe und dem Orgel Wesen lange noch nicht erschöpft. Wie auch ihr Name sagt, die Orgel ist ein Organ .(1) Als solche hat sie selbstverständlich eine Funktionalität, uns allen wohl bekannt: Musik zu emittieren (2). Die Behauptung Musik sei Liebe, Liebe der Klänge, ist nicht nur ein mehr oder weniger gelungener poetischer Ausdruck. "Musik ist Liebe der Klänge" entspricht vollkommen der Wahrheit! Schon die Griechen der Antike machten keinen großen Unterschied zwischen Harmonie und Symphonie und bezeichneten diese Grundprinzipien der Musik als Zusammenklingen, übereinstimmen, sich einigen. Das griechische Wort sym-phónos (σύμ‑φωνος) bedeutet harmonisch, wiederhallend, übereinstimmend, einträchtig. In dem Plädoyer für die Idee "Musik ist Liebe der Klänge" kommt hinzu, dass durch die Partikel "sym" das Wort symphónos / symphonisch mit sym-patheia Verwandt ist (συμπάθεια / sympatheia = Mitempfinden, das selbe Pathos/Leidenschaft/Gefühle mit jmd. zu haben/teilen). Man kann jetzt begründet sagen die Symphonie ist die Sympathie der Klänge. Die Musik ist eben symphonos der Klänge, ist deren Harmonie, deren Übereinstimmung, deren Eintracht, deren Sympathie… Sie ist deren Liebe zueinander. Die Orgel ist ein Organ, das Liebe ausatmet, denn bei seiner Entstehung auch Liebe eingeatmet hat. Das weiß wohl auch ihr Hand Werker!


(1) Das Wort Orgel hat sich gebildet von dem griechischen Wort organon = u.a. Instrument, Musikinstrument, Sinnesorgan(!). Dieses, über das lateinische organum = Werkzeug, Musik­instru­ment und Orgelpfeife(!) und später über das Althochdeutsche organa und Mittelhoch­deutsche organe, orgene ist „Orgel“ geworden. (siehe: Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache)

(2) Die Etymologie des Wortes organon zeigt auch die Idee der Funktionalität/Aktivität eines „Organs“. Organon gehört zu der Familie des Wortes ergon (έργον) = Werk, Tat, Arbeit, (Kunst-) Werk etc. Bezeichnend und gleichermaßen spannend: ergon hat dieselbe Abstammung mit „Werk, “Wirkung“, „Tun“, „Machen“ etc. Es ist das indo-germanisches Wort uerg = wirken, tun; uergom = Werk, dass  dieser beiden zu Grunde liegt. Die Odyssee des Wortes uerg streckt sich über viele Sprachen und Länder, jedoch die Bedeutung gleich bleibend: avestisch: vərəzieiti, gotisch: waúrkjan, althochdeutsch: wirkan, wirchen, altsächsisch: wirkian, altisländisch: yrkia, angelsächsisch: wyrkan etc. etc. Als ob lange vor ihrer Geburt im Wesen der Orgel das Wirken, das Organ‑sein, das Werk‑sein- und produzieren eingepflanzt worden wären! (siehe: Pierre Chantraine, Dictionnaire éty­mo­­­logique de la lague grecque und Julius Pokorny, Indogermanisches etymologisches Wörterbuch)



 
< zurück   weiter >

© 2014 W. Sauer Orgelbau Frankfurt (Oder) GmbH
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.