Opus 300 in der St. Nikolai-Kirche in Jüterbog gehört zu den herausragenden Instrumenten Wilhelm Rühlmanns.

Hier ein kleiner Auszug aus dem Restaurierungsbericht:

„1908 wurde die Orgel in der Nikolaikirche Jüterbog von der Firma Wilhelm Rühlmann aus Zörbig erbaut. Sie ist das Opus 300 – ein Jubiläumswerk. Die Orgel steht auf der 2.Empore der Kirche. Rühlmann baute ein Instrument mit 44 Registern, die sich auf 3 Manuale und dem Pedal verteilten. Das barocke Gehäuse der Wagner-Orgel von 1741 wurde übernommen. Rühlmann baute pneumatisch angesteuerte Kegelladen.

Der Spieltisch ist Untergehäuse der Vorderfront eingebaut. Er hat zur dynamischen Gestaltung des Klanges eine Freie Kombination, Feste Kombinationen, Registerwalze und einen Schwelltritt für das III. Manual. Die Disposition und die Intonation der Register entsprachen

dem Zeitgeschmack. Spätromantische Register, dynamisch fein abgestuft, ergaben den typischen Rühlmann-Klang. Die Windladen, die Bälge sowie die solide Verarbeitung der Metall- und Holzpfeifen zeigen eine gute Qualität.

In der Zeitschrift für Instrumentenbau vom 1.Dezember 1908 wird die neue Rühlmann-Orgel umfangreich beschreiben. Hervorgehoben wird die präzise pneumatische Traktur, die Freie Kombination, die Registerwalze mit einer Handbetätigung durch den Registranten, der Kompressionsapparat, schöne Soloklänge sowie die Kraft und der strahlende Gesamtklang des Instrumentes. Erwähnt wird auch die kurze Bauzeit, “ Nachdem die alte Orgel beim Pfingstfest 1908 zum letzten Male Dienste getan hat, begann der Abbruch und dann in etwa 6 Wochen rastloser Tätigkeit der Aufbau des neuen Werkes im alten Gehäuse..“  Die Abnahme erfolgte am 17.Juli 1908 durch den Organisten Otto Becker, Organist an der Garnisonskirche Berlin und Lehrer an der Hochschule für Musik zu Berlin.“

Den gesamten Restaurierungsbericht können Sie hier herunterladen.

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Hier ein kurzer Steckbrief der Orgel:

Erbauer:Wilhelm Rühlmann, Zörbig
Baujahr:1908
Opus:1908
Register:44+5
Windladensystem:Kegellade
Traktur:pneumatisch
Spieltisch:am Untergehäuse
Gehäuse:Joachim Wagner 1741
Übernahme des Gehäuses von der Vorgängerorgel. Kiefer gestrichen mit barocken Schmuckelementen.
Prospekt:Zinn
1929:Rückpositiv 5 Register, W. Sauer/Frankfurt Oder,
2 Registeränderungen angeregt durch Georg Kempff,
Einbau einer Zusatzkanzelle im III. Manualmit Vox humana 8',
Die Orgel hat damit 44 Register+ 5 Register vom Rückpositiv.
Balganlage:Doppelfaltenbalg mit 2 Schöpfern im Turmraum, sowie ein Faltenbalg für das III. Manual und Stoßfänger in den Windladenkanälen in der Orgel,
Orgelmotor:im Turmraum
1961:Bestandsaufnahme der Disposition durch W. Sauer/Frankfurt Oder
1962/63Fa. Voit/Rathenow, Umdisponierung im Sinne der Orgelbewegung
1996:Ausreinigung und technische Überarbeitung Fa. Fahlberg/Eberswalde
2017-2019Restaurierung durch W. Sauer Orgelbau Frankfurt (Oder) GmbH

Eine kleine Auswahl an Bildern: